, Thomas Fürer

Interviewgeschichten.

Die letzte Wintersportsaison brachte im Bereich olympischem Spitzensport den einen oder anderen Überraschungsmoment. So eindrücklich und überraschend, dass zwei Momente davon, sieben Monate nach den Zitaten und Geschehnissen, unbedingt an dieser Stelle erwähnt sein sollen.

Sie sei schnell gestartet, habe das Rennen aber schon früh als unheimlich schwer empfunden, so Nathalie von Siebenthal. Im Ziel, als Zweite hinter Björgen angekommen, habe sie gedacht: «Es liegt viel drin.»

Und jetzt kommt sie, diese Bemerkung: «Dann kamen aber diese Maschinen. Da fragt man sich schon: Was machen wir eigentlich hier?» Dies ist das Fazit der Bernerin Nathalie von Siebenthal, nach dem sie an den olympischen Spielen in Pyeongchang über 10km Skating achtzehn Sekunden aufs Podest verloren hatte und damit Schlussrang 6 belegte. Als Maschinen herausgestellt haben sich übrigens Ragnhild, Charlotte, Krista, Marit und Jessica, aus Norwegen, Schweden, Finnland und den USA.

Anna Veith wurde im Zielraum, unter anderem von IOC-Präsident Thomas Bach, bereits als Olympiasiegerin im Super-G beglückwünscht, als Ester Ledecka mit Startnummer 26 im Ziel eintraf und später meinte: «Ich war sehr überrascht. Ich dachte, die Zeit ist falsch, die werden sie in einigen Sekunden korrigieren.»

Auch die beiden SRF-Kommentatoren konnten es, wie in sehr amüsanten bewegten Bildern zu sehen war, kaum glauben, dass Ester um eine Hundertstelsekunde schneller war als Anna. Michi Bont wusste nicht mehr, wie ihm geschah und was er sagen sollte, und konnte sich mindestens eine Minute lang nicht mehr auf seinen Kommentatorenplatz setzen. Und über eine Stunde nach ihrer Fahrt trug Ester bei den Siegerinterviews immer noch ihren Helm mitsamt Skibrille, «da sie kein Make-Up aufgetragen hätte.»

Das überraschende an dieser Geschichte ist, dass Ester als amtierende Snowboard-Weltmeisterin soeben den olympischen Super-G gewonnen hatte und einige Tage später auch noch Snowboard-Olympiasiegerin wurde.

Lara, die Gute, verpasste in diesem verrückten Super-G-Rennen das Podest übrigens um eine Hundertstelsekunde.

Wenn nun mit diesen zwei herrlichen Wintersportgeschichten bereits wieder neue Wintersportvorfreude geweckt wurde, so kann diese mit dem Grasskitag bestimmt noch weiter vorangetrieben werden. Wie gut sich Gras, notabene lediglich als Unterlage, für die Steigerung der Wintersportvorfreude eignet, wird sich zeigen.

Auf jeden Fall wird es sicher spannend, wie sich Gras- statt Freerideskis an den Skischuhen anfühlen.

Thomas Fürer, Präsident Skiklub Alpina